
Sonntagsausflug ins Überschwemmungsgebiet, 1928, Privatfoto, Matthias Marschik
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Das Inundationsgebiet in Wien
Wilde Wiese
Die Regulierung der Donau in Wien (1870–1875), die die Stadt vor Hochwassern schützen und der Sicherung der Schifffahrt und des Handels dienen sollte, bedeutete links- wie rechtsufrig eine massive Veränderung der Landschaft wie auch der Stadt. Ein Teil der neu geschaffenen Flächen wurde für Wohnbau und Industrie genutzt, daneben blieben von der ‚Natur‘ geprägte öffentliche Flächen übrig, die rasch (im Prater) oder zögerlich (in der Lobau und entlang der nunmehrigen Alten Donau) von der Bevölkerung in vielfältiger Weise angeeignet wurden. Von dauerhafter Bebauung ausgenommen blieb jedoch einzig das Inundationsgebiet, das sich durch die oft zweimal jährlich auftretenden Hochwasser per definitionem einer permanenten Nutzung entzog. Angelegt wurde es im Jahr 1875 als etwa 20 Kilometer langes, 474,5 Meter breites und etwa zehn Quadratkilometer großes, neben dem Donaubett liegendes Brachland, das die zusätzlichen Wassermassen aufnehmen sollte.

Der bald etablierte Begriff „Überschwemmungs-“ bzw. „Inundationsgebiet“ suggeriert zwar eine monotone Fläche, doch war sie alles andere als einförmig: Baumgruppen, von Schwemmsand gefüllte Sutten, kleine Lacken und größere stehende Gewässer strukturierten die Landschaften. Unterschiedliche Böden sorgten für wechselnden Bewuchs, zudem hatten sich ehemalige Wasserläufe erhalten. Jedes Hochwasser hinterließ veränderte Topografien. Weite Blickachsen existierten neben versteckten Winkeln, deren Zahl durch die zahlreichen Bombentrichter, die der Zweite Weltkrieg zurückließ, noch zunahm. Dieses riesige städtische Brachland wurde aufgrund der Vielfältigkeit des Terrains bald auf unterschiedlichste Arten und Weisen genutzt, die in der Funktionsbeschreibung des Überschwemmungsgebiets nicht vorgesehen waren und teils akzeptiert, vielfach aber auch sanktioniert wurden. Tagsüber wurde das Areal als Naherholungsgebiet genutzt, nachts galt es hingegen als erotischer und gefährlicher Ort: Hier wurden nicht nur Kinder gezeugt, sondern auch Überfälle, Morde und Selbstmorde verübt, es war ein klandestiner Raum für dunkle Geschäfte, Prostitution oder Schleichhandel.

Strukturiert wurde das Inundationsgebiet vor allem durch fünf in den 1870er Jahren errichtete Brücken. Wo jeder Baum als landschaftlicher Marker erschien, bildeten die mächtig über den Fluss gespannten Übergänge markante Zäsuren, die sich optisch wie auch akustisch bemerkbar machten – zunächst durch pfeifende Lokomotiven und quietschende Straßenbahnschienen, später auch durch hupende Automobile. Jene Brücken, die einen direkten Treppenabgang am linken Donauufer hatten, bildeten zugleich die zentralen Zutrittstore zum Inundationsgebiet: So wurde „bei der Reichsbrücke“ ein beliebter Treffpunkt für Verabredungen. Der Struktur entsprach auch eine spezifische Terminologie: Während in alten Stadtplänen das ganze Areal als „Inundationsgebiet“ bezeichnet wurde, existierten im Alltag unterschiedliche Namen: Der nördliche Abschnitt bis zum Gebiet südlich der Reichsbrücke wurde als „Donauwiese“ bezeichnet, die Gegend am Südende der Alten Donau als „Stürzl“ oder „Stürzllacke“, die Fläche südlich der Ostbahnbrücke wurde hingegen im Volksmund schon der „Lobau“ zugerechnet.
Zwischen Wasser und Eis
Der Hochwasserschutz war zwar die Hauptfunktion des Inundationsgebiets, doch konnte es diese Aufgabe keineswegs immer bewältigen. Deshalb stellten Hochwasser auch weiterhin konkrete Bedrohungen dar und lösten so etwas wie Angstlust in der Bevölkerung aus. Mehr oder minder alle Printmedien und später auch das Radio berichteten vorab detailliert über nahende Wassermassen, den Zeitpunkt des Eintreffens der Überflutung, gefährdete Stadtareale und zuletzt über entstandene Schäden. Der Pegelstand bei der Reichsbrücke galt als Maßstab für das Ausmaß der Katastrophe.
Die Bevölkerung nahm an den Hochwassern lebhaften Anteil. Während Anrainer:innen beim Nahen der Fluten ängstlich hofften, dass ihre Gegend verschont blieb, strömten tausende Schaulustige auf die Reichs- und Floridsdorfer Brücke, um das Spektakel des bei einer Überschwemmung fast 800 Meter breiten Donauflusses zu verfolgen.
Ein besonderes Schauspiel boten die alle paar Jahre auftretenden Eisstöße. Bei Minusgraden und gleichzeitiger Überflutung des Inundationsgebiets schoben sich Treibeisplatten nicht nur auf der Donau, sondern auch auf dem Land meterhoch übereinander. Der spektakulärste Eisstoß fand 1929 statt, hielt vier Wochen an und wurde zur Sensation für die ganze Stadt. Sonderzüge brachten Schaulustige nach Heiligenstadt, man konnte zu Fuß über die zugefrorene Donau spazieren.
Tolerierte Nebennutzungen
Der Primat des Hochwasserschutzes führte zu strengen Verboten permanenter und selbst temporärer Baulichkeiten im Überschwemmungsgebiet, aber auch zu einer Vielzahl von Nutzungsverboten, die speziell das Schwimmen und Baden betrafen, aber selbst das Lagern auf der Wiese einschränkten. Damit traf man vor allem die arme Bevölkerung, schließlich suchte die große Mehrzahl der Besucher:innen des Überschwemmungsgebiets eine kostenfreie Möglichkeit der Erholung. Während des Austrofaschismus wurden zeitweise sogar generelle Badeverbote exekutiert, die sich wohl primär der „Hintanhaltung verbotener politischer Propaganda“ sowie der Vertreibung von „unentwegten Anhängern der Nacktkultur“ verdankten (Die Stunde, 16.6.1935, S. 12).
Es wäre aber nicht Wien, wären die rigiden Verbote nicht einerseits durch konkrete Ausnahmeregelungen, andererseits durch stillschweigende Duldungen durchbrochen worden. So hatte die „Donau-Regulirungscommission“ schon 1876 die Erlaubnis zur Anlage von Gemüsegärten erteilt, und ab 1885 gehörten fix am Ufer vertäute Daubelboote, die im Lauf des 20. Jahrhunderts immer stärker wie Schrebergartenhäuser genutzt wurden, zum „Inventar“ der Donauwiese. Einer der ersten Radwege Wiens, der um 1896 eröffnete Kielmansegg-Weg, verlief am Hubertusdamm von der Reichsbrücke nach Langenzersdorf. Schon um 1900 wurden erste Lizenzen für Erfrischungskioske erteilt, aber wenig später widerrufen. Zudem waren die Donau und die zum Teil mit ihr verbundenen Gewässer als gute Fischgründe bekannt; das Gebiet galt wegen zahlreicher Hasen, Fasane und Rebhühner auch als Niederwildrevier.
Ein ganz neuer Nutzungsaspekt wurde erstmals im Jahr 1909 praktiziert, als eine aviatische Sensation genehmigt und das Überschwemmungsgebiet zum Schauplatz eines Massenspektakels wurde: Der französische Pilot Georges Legagneux unternahm auf der Donauwiese nahe Kaisermühlen vor zehntausenden zahlenden Zuschauer:innen einen kurzen Startversuch. In der Folge diente die Donauwiese regelmäßig als Startpiste für Flugzeuge der nahe gelegenen Lohner-Werke. 1923 suchte die neu gegründete Österreichische Luftverkehrs-AG (ÖLAG) wegen der exorbitanten Platzgebühren auf dem Flugplatz in Aspern um einen Landeplatz auf dem Überschwemmungsgebiet nahe Jedlesee an und führte von dort Linienflüge nach München und Berlin durch.
Zu weiteren genehmigten Nutzungen für Massenveranstaltungen gehörten im Mai 1931 der Zirkus von Carl Hagenbeck, der auf der Donauwiese ein „Riesenzelt mit einem Fassungsraum für 6000 Personen“ und eine „große Tierschau“ aufbaute (Der Tag, 21.5.1931, S. 8), sowie ab 1932 die Raketenversuche eines Assistenten der Technischen Hochschule in Wien, der mit seinen Geschoßen Hagel und Schlechtwetter „vertreiben“ wollte und dessen Vorführungen sogar live im Radio übertragen wurden.
Zu dieser Zeit kamen auch Tombolas auf der Donauwiese in Mode: 1933 wurde für die Kriegsopferfürsorge gesammelt, es gab Gewinne im Wert von 6.000 Schilling, dazu „Wettschwimmen, Wasserballspiel und Brückenspringen von der Floridsdorfer Brücke und am Schluß eine Schönheitskonkurrenz“ (Der Tag, 5.8.1933, S. 8). Im Austrofaschismus gab es Tombolas der Aktion Kinder aufs Land oder des Mutterschutzwerks der Vaterländischen Front. In der NS-Zeit wurden zunächst von Kraft durch Freude (KdF) veranstaltete Kinderjausen oder ein „Groß-Bannappell“ der Floridsdorfer Hitlerjugend (HJ) veranstaltet, ehe die Wehrmacht ab 1940 wiederholt Übungen auf dem Nordteil der Donauwiese abhielt. Ab Herbst 1943 wurde das Areal von zahlreichen alliierten Bomben zerpflügt, die den Brücken und Bahnhöfen beidseits der Donau sowie den Industrieanlagen in Floridsdorf galten.

Ende der 1940er Jahre pachteten Bauern aus der Umgebung Teile der Donauwiese als Weide: „Große Rinder-, Ziegen- und Schafherden werden von richtigen ‚Halterbuam‘ und etwas rassewidrigen Schäferhunden sorgsam behütet“, schrieb die Arbeiter-Zeitung im Mai 1950 (Arbeiter-Zeitung, 11.6.1950, S. 6). Auch die Praxis der Tombolas wurde wiederbelebt: Besonders beliebt waren Mitte der 1950er Jahre die Riesentombolas der Polizeisportvereinigung Wien (PSV), bei denen es sogar Autos und Motorräder zu gewinnen gab. Neben der Aktion Kinderland und dem Kriegsopfer-Verband wurde speziell die KPÖ aktiv. Diese hielt auf der Donauwiese ebenfalls Tombolas, doch auch eine Protestversammlung gegen Zinswucher ab und organisierte Konzerte von Rotarmistenensembles, veranstaltet von der Österreichisch-Sowjetischen Gesellschaft.
Immer wieder spielte das Überschwemmungsgebiet auch eine wichtige Rolle in der Migrationsgeschichte Wiens: 1956 wurden tausende Ungarnflüchtlinge kurzfristig in einer Zeltstadt der Caritas auf der Donauwiese versorgt, zwölf Jahre später Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei. Zu Beginn der 1970er Jahre fanden dort etliche von „Gastarbeiter:innen“ aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei organisierte Feste statt.

Widerständige Aneignungen
Abseits all dieser tolerierten Nutzungen gab es auch eine Vielfalt ,widerständiger‘ Aneignungen des Überschwemmungsgebiets, also von Aktivitäten abseits offiziell genehmigter Nutzungsformen und Erwartungen. Früh eigneten sich etwa Wiener Wohnungslose das Gebiet an: Schon 1876 berichtet das Fremden-Blatt von Obdachlosen, die am Südende nahe der Lobau illegal behelfsmäßige Hütten errichtet hatten und dort trotz drohenden Hochwassers geblieben wären.
Die alltägliche Nutzung der Donauwiese war vielfach dem simplen Versuch geschuldet, arbeitsfreie Tage mit einem kleinen, selbstbestimmten Vergnügen zu füllen – einem Vergnügen, das im Gegensatz zum Besuch öffentlicher Bäder wie dem Gänsehäufel oder zur Konsumation von Praterattraktionen kostenlos war. Kinder und Jugendliche, Männer und Frauen, Ältere und Alte nutzten das Überschwemmungsgebiet zum Essen und Trinken, Schwimmen und Faulenzen, Plaudern und Diskutieren, Karten- und Ballspielen. Gemeinsam war ihnen der Wunsch, ein paar Stunden leistbares Freizeitvergnügen ohne Kontrolle durch die Obrigkeit zu verbringen. Diese wollte jedoch genau dieser temporären „Anarchie der Vorstadt“ Grenzen setzen und Regeln oktroyieren.

Die Grenzen zwischen tolerierten und widerständigen Nutzungen der Donauwiese waren fließend und veränderten sich ständig, wovon beispielhaft wiederholte mediale Auseinandersetzungen über das Campieren und Fußballspielen auf dem Areal zeugen. Das belegt etwa ein Leserbrief von Robert S., der sich im Kleinen Blatt am 19. Juli 1927 über Polizeiwillkür im Umgang mit Verboten beklagte: Forderte die Polizei eine Woche zuvor Hunderte von Campierern auf dem Inundationsgebiet auf, ihre Zelte sofort zu entfernen, während sie Fußball spielende Jugendliche unbehelligt ließ, so sei es am folgenden Sonntag umgekehrt gewesen. „Das schöne an der Sache ist aber das, daß trotzdem weitergespielt wird, weil über die Donauwiese andere Herren zu entscheiden haben, als der Herr Bundeswachmann“, schloss der Briefschreiber, der damit auch die Unmöglichkeit der Disziplinierung des Areals sowie seiner Nutzer:innen zum Ausdruck brachte.
Auch abseits des Sporttreibens gewann das Überschwemmungsgebiet stets an Beliebtheit: Ab Mitte der 1920er Jahre wurde an jedem heißen Tag von einem „Massenbesuch“ berichtet, und in den 1930er Jahren scheint das Inundationsgebiet über die Sommermonate ein richtiger ,Urlaubsort‘ mit hunderten Zelten geworden zu sein. Im Sommer 1936 wurde ein Teil der Donauwiese bei der Ostbahnbrücke offiziell als „ Lagerwiese“ für die Bevölkerung freigegeben, mit Trinkwasserspendern und WC-Anlagen. Andererseits opponierten speziell katholische Blätter gegen die Badekultur am Donaustrand und prangerten die ‚Sittenlosigkeit‘ der meist jungen Leute an, was mit der in der Lobau und am südlichen Ende des Inundationsgebiets verbreiteten FKK-Kultur zusammenhing.

Eine freie und letztlich kaum überwachbare riesige und stadtnahe Fläche ermöglicht freilich nicht nur harmlose Regelüberschreitungen wie Nacktbaden oder das Aufstellen illegaler Zelte. So diente das Inundationsgebiet ab 1933/34 als beliebter Ort klandestiner politischer Zusammenkünfte. Während des Austrofaschismus wurde es sowohl von der illegalen Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) und den Revolutionären Sozialisten für Treffen genutzt als auch von den damals ebenfalls illegalen Nationalsozialisten. Im Juni 1937 meldete die – seit 1935 verbotene – Arbeiter-Zeitung, dass es gelungen sei, auf dem Inundationsgebiet „viele tausend Streuzettel“ zu verbreiten, „was bei den Badeausflüglern grosses Aufsehen erregte“ (Arbeiter-Zeitung, 2.6.1937, S. 8). Im August desselben Jahres standen allerdings fünf Mitglieder der sozialdemokratischen „Wehrsport“-Gruppe und eine Kommunistin vor Gericht, weil sie auf dem Inundationsgebiet „Führerbesprechungen“ abgehalten hatten und dabei bewaffnet gewesen sein sollen.
Letztlich waren die Grenzen zwischen kleinen Überschreitungen der Ordnung und illegalen Handlungen auf dem und rund um das Inundationsgebiet fließend. Speziell am Abend und in der Nacht wurde die fast menschenleere, dunkle und unbewachte Fläche zu einem nahezu idealen Ort für unterschiedliche Formen der Überschreitung und galt als gefährlicher Ort. Dabei ist allerdings die These, wonach die Donauwiese vor allem von der Unterschicht frequentiert wurde und so ihr schlechter Ruf zu erklären ist, mit Vorsicht zu genießen. Auffallend ist, dass Berichte über Verbrechen fast ausschließlich in der Sensationspresse erschienen.
Letzte Blütephase
Selbst die Kriegsjahre 1939 bis 1945 minderten die Attraktivität des Areals als Ort der Freizeit nicht. Vertraut man den Medien, führte die spätere Not der Nachkriegsjahre überhaupt zur Hochzeit der Donauwiese: „Zehntausende Wiener“ hätten das Inundationsgebiet bevölkert, schrieb der Wiener Kurier an einem heißen August-Wochenende im Jahr 1948; die Straßenbahn hätte Sonderfahrten einschieben müssen, um den Andrang zu bewältigen. Von Restriktionen, wie sie bis 1938 medial verbürgt sind und für die NS-Zeit vermutet werden können, ist nach 1945 nichts mehr zu lesen. Bei einer Umfrage der Welt am Abend, die im Mai 1947 nach den Urlaubsplänen der Wiener:innen fragte, antwortete eine „Arbeitersfrau“: „Wir werden die Wohnung ausputzn, damit die Sprüng in der Mauer endlich verschwinden und uns net immer an den Krieg erinnern, und dann gehn ma aufs Inundationsgebiet und legn uns durt in d Sunn. Dös wird unser Urlaub sein.“ (Welt am Abend, 19.5.1947, S. 2) Kontrastiert wurden die nahezu idyllischen Bilder der Donauwiese Ende der 1940er Jahre mit ständigen Hinweisen auf den dort florierenden Schleichhandel.

Die „große Zeit“ des Inundationsgebiets endete Mitte der 1950er Jahre mit der beginnenden Wohlstandsgesellschaft und neuen, attraktiveren Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, von zahlreichen kommerziellen Angeboten etwa in den Wiener Bädern bis hin zum Ausflug ins Grüne mit dem eigenen Automobil. Gut frequentiert waren nach wie vor die Fußballplätze bei der Floridsdorfer Brücke. Erhalten blieb bis zuletzt die Ambivalenz der Zuschreibungen zu dem Areal: Meine Frau und ich, beide in den 1960er Jahren am Rande der Donauwiese aufgewachsen, erhielten gegensätzliche Erziehungsdirektiven, was sicher nicht ausschließlich geschlechterspezifisch war. Während ich zum „Austoben“ bewusst auf die Donauwiese geschickt wurde, wurde ihr das Betreten des „gefährlichen“ Terrains dezidiert untersagt.

Was blieb vom Inundationsgebiet?
In den 1970er Jahren begann die Gemeinde Wien nach heftigen politischen Kontroversen mit dem Bau der „Neuen Donau“ und der Donauinsel und leitete damit das Ende des Überschwemmungsgebiets ein. Die massive städtebauliche Intervention brachte eine doppelte „Einhegung“ der Gefahr der „Überschreitung“, sei es durch die Menschen oder das Wasser, mit sich: So wie die Donau seitdem durch das Entlastungsgerinne – zumindest bisher effektiv – kanalisiert wird, hat die Anlage der landschaftsarchitektonisch durchkonzipierten Donauinsel die wilde Nutzung des Gebiets links der Donau nachhaltig reduziert. Populäre Attraktionen, von der Wasserrutsche und Trampolinanlage bis zur „Copa Cagrana“, und betonierte Wege geben nun regulierte und definierte Nutzungspraxen vor. Auf der Donauwiese waren Wege dort, wo viele Menschen gingen. Auf der Donauinsel sind sie Ergebnisse der Landschaftsplanung. Eine Massenkultur verdrängte – oft widerständige – Alltagspraxen, die sich allerdings auch auf der Donauinsel, von den Obdachlosen bis zu den Ravern, sukzessive wieder ihre Plätze erobern.

Hinweise:
Bei dem Beitrag handelt es sich um eine gekürzte Version des Originaltexts. In voller Länge ist er in der Publikation „Die Donauinsel. 21 Kilometer Freiraum“ zu lesen, hg. Martina Nußbaumer und Ulrike Krippner. Die Publikation ist im Shop des Wien Museums und im Buchhandel erhältlich.
Die Ausstellung „Die Donauinsel. 21 Kilometer Freiraum“ ist bis zum 30. August im Wien Museum am Karlsplatz zu sehen.
Literatur und Quellen:
Matthias Marschik: Heldenbilder. Kulturgeschichte der österreichischen Aviatik, Münster/Hamburg/London 2002.
Matthias Marschik: Die Donauwiese. Das Inundationsgebiet. Ein verschwundenes Wiener Wahrzeichen, Schleinbach 2019.
Matthias Marschik: Die kleine Anarchie an der Donau. Das Inundationsgebiet (1875–1987), in: dérive. Zeitschrift für Stadtforschung (2020) 80, S. 55–60.
Peter Payer: Eiszeit in Wien, in: 1000 und 1 Buch. Das Magazin für Kinder und Jugendliteratur 1 (2009), S. 12–13.
Allgemeine Sport-Zeitung, 1.10.1899, S. 1210
Allgemeine Sport-Zeitung, 16.9.1911, S. 1285
Arbeiter-Zeitung, 1.7.1950, S. 3
Das kleine Blatt, 19.7.1930, S. 14
Der Gartenfreund 1 (1876), S. 2
Der Montag mit dem Sport-Montag, 4.7.1932, S. 5
Die Stunde, 24.5.1932, S. 10
Die Stunde, 16.7.1935, S. 4
Die Stunde, 11.8.1937, S. 3
Neues Wiener Tagblatt, 29.8.1936, S. 14
Neuigkeits-Welt-Blatt, 1.5.1940, S. 6
Neuigkeits-Welt-Blatt, 7.7.1942, S. 12
Radiowelt 9 (1932), S. 92
Reichspost, 29.8.1934, S. 11
Volksstimme, 8.9.1948, S. 5
Volksstimme, 31.8.1949, S. 5
Volksstimme, 17.6.1950, S. 8
Volksstimme, 9.7.1950, S. 4
Wiener Allgemeine Zeitung, 25.5.1909, S. 2
Wiener Kronen-Zeitung, 31.8.1939, S. 8
Wiener Kronen-Zeitung, 17.6.1942, S. 4
Wiener Kurier, 2.8.1948, S. 3






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