Beiträge zum Thema Rassismus
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Chia Chai Wu (rechts) mit seinen Köchen, um 1970, Familie Wu
Geschichte der China-Restaurants in Wien – Teil 2
Trendsetter mit Essstäbchen
Huhn süß-sauer mit Bambussprossen und Morcheln – ob dieses fernöstliche Geschmackserlebnis authentisch gewesen sein mag oder nicht, der Unternehmer Chia Chai Wu lud ab 1963 die Seitenblicke-Gesellschaft in sein China-Restaurant in der Porzellangasse ein und startet einen Trend, an dem bald niemand mehr vorbeikam.

Fotoserie aufgenommen von Josef Strof über das Shanghai Speisehaus, für die Zeitschrift „Radio Wien“, 1948, Wien Museum, Inv.-Nr. 194523
Geschichte der China-Restaurants in Wien – Teil 1
Chinesisches Erdäpfelgulasch
Keine europäische Stadt kommt heute ohne China-Restaurants aus. Auch aus dem Wiener Stadtbild sind sie nicht wegzudenken. Doch seit wann gibt es sie eigentlich und was wissen wir über die Leute, die sie betrieben? Eine Spurensuche zwischen Geopolitik und Familiengeschichte, Erdäpfelgulasch und Seeschwalbennestern.

Gabriela Wiener, Foto (c) Daniel Mordzinski
Gabriela Wiener über Charles Wiener
„Glamouröse Schandtaten“
Charles Wiener wurde 1851 in Wien geboren und machte als Forschungsreisender im Auftrag Frankreichs Karriere. Wie rücksichts- und gewissenlos er in Peru und Bolivien Objekte sammelte, wurde im Wien Museum Magazin bereits thematisiert. Seine Ururenkelin, die peruanische Journalistin und Schriftstellerin Gabriela Wiener, hat einen Roman geschrieben, in dem ihr problematischer Vorfahre zum Ausgangspunkt wird, um die globale „Ordnung“ zu sezieren.

Johann Wenzel Zinke, Johann Christian Schoeller: Othellerl. Der M* von Wien, 1829, Kupferstich, Wien Museum, Inv.-Nr. 109002/33
Schwarze Bühnenfiguren in Wien um 1800
In der „falschen“ Haut
Othello ist bis heute eine der bekanntesten Figuren auf der Bühne, wenn es um die Darstellung von Schwarzen Menschen geht. Dass die Figur allerdings nur eine von vielen in den Libretti um 1800 war, weiß Melanie Unseld. Im Interview erzählt sie von Diversität am Wiener Theater, wie weiße Schauspieler:innen in schwarze Bodysuits schlüpften, und warum zeitgenössische Stücke vom globalen Sklavenhandel beeinflusst waren.

Panorama von Wien gegen Süden von der Peterskirche aus, rechts der Mitte der Turm der Michaelerkirche, Lithographie nach Jakob von Alt, um 1830, Wien Museum, Inv.-Nr. 239978/1
Im Haifischbecken
Diverse Körper von Gewicht
Inmitten der Wiener City erhebt sich der Kirchturm von St. Michael, der die Skyline der Stadt seit Jahrhunderten prägt. Seine Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück, als er unter anderem zur Feuerwache genutzt wurde. Große Herausforderungen gibt es für das hoch aufragende architektonisch-konstruktive Meisterwerk bis heute.

John Schiff: Porträt von Selma Burke, undatiert, Courtesy of the Leo Baeck Institute
Selma Burke und Hans Böhler
Harlem Inspirations
Eine afroamerikanische Bildhauerin verbringt zwischen 1935 und 1937 mehrere Monate in Wien – und lernt dabei einen österreichischen Expressionisten kennen. Nur wenige Spuren davon sind erhalten, aber sie erzählen eine Geschichte von Liebe und künstlerischem Austausch über internationale Grenzen hinweg.

Das Kolaric-Plakat
Eine Aktion mit Langzeitwirkung
Mit Rassismus und Ausgrenzung waren „Gastarbeiter:innen“ von Beginn an konfrontiert. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, wurde 1973 die Plakataktion „I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogns` zu dir Tschusch?“ gestartet. Auch fünfzig Jahre später ist sie noch für Awareness-Kampagnen inspirierend.

Umschlag einer nicht explodierten Briefbombe, BMI / Direktion für Spezialeinheiten, Foto: Robert Newald
Bomben gegen Minderheiten in Österreich 1993-1996
Explosive Mischung
Eine Ausstellung im Volkskundemuseum erinnert an die Briefbomben-Serie und den Rohrbomben-Anschlag in Oberwart bzw. an die Rohrbombe an einer Klagenfurter Schule. Neben einer Chronologie der Ereignisse beleuchtet die Schau die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe des rechtsextremen Terrors, der vor rund 30 Jahren die Republik erschütterte – aber danach kaum aufgearbeitet wurde.

Olive Moorefield in „Pariser Leben” an der Volksoper, 1963, Foto: Anton Doliwa, Wien Museum
Opern- und Musicalstar Olive Moorefield
„Ich habe mich auf den Bühnen Wiens immer fantastisch gefühlt“
Sie kam vom Broadway ins Nachkriegswien und wurde hier mit „Kiss me Kate“ und „Porgy and Bess“ zum ersten Musical-Star. Im Interview erzählt die Sängerin Olive Moorefield, wie Marcel Prawy sie nach Wien lockte, warum ihr eigenes Shampoo damals Luxus war, mit welchen Vorbehalten sie zu kämpfen hatte – und weshalb sie letztlich dennoch geblieben ist.

Belinda Kazeem-Kamiński, Still aus Unearthing: In Conversation, 2017
Belinda Kazeem-Kamiński im Interview
Koloniales Posieren
Belinda Kazeem-Kamiński entnimmt historischen Fotos eine Pose, hebt sie hervor und lässt ihr Publikum dadurch über Kolonialismus in der Vergangenheit und seine Konsequenzen im Heute nachdenken. Die Künstlerin wurde 2023 mit dem Msgr. Otto Mauer Preis ausgezeichnet. Aus diesem Anlass zeigt das Jesuitenfoyer ihre Ausstellung „Strike a Pose“. Im Interview erzählt sie über ihren Umgang mit gewaltvoller Geschichte, was sie sich von Museen wünscht und wie sie koloniale Poser ins Wanken bringt.