Beiträge zum Thema NS-Zeit
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Plättchen einer unvollständigen Musterkollektion der Wiener Porzellanmanufaktur, um 1800, aus der Sammlung Siegfried Fuchs. Das Objekt wurde 2002 als eines von über 200 Objekten an die Erb:innen von Fuchs restituiert und in der Folge vom Museum wieder angekauft. Foto: Birgit und Peter Kainz, Wien Museum
Provenienzforscher Michael Wladika im Interview
„Man kann nie einen Schlussstrich ziehen“
Im Jahr 1999 begann Michael Wladika als Provenienzforscher im Historischen Museum der Stadt Wien (Wien Museum). Anlässlich seiner Pensionierung blickt er im Gespräch zurück auf die schwierigen Anfangsjahre der Provenienzforschung und erklärt, warum sie im Wien Museum statt der ursprünglich veranschlagten zwei Jahre auch nach 27 Jahren nicht abgeschlossen werden kann.

Wetti Schaffgotsche, Foto: Atelier Grill (Ausschnitt), Donaueschingen, 1926. © Michael Huey und Familienarchiv Witt-Dörring
Michael Hueys Buch über den Grafen Felix „Wetti“ Schaffgotsche
„Ich fühle mich wie eine Primadonna“
In den USA wurde Felix „Wetti“ Schaffgotsche dafür bekannt, dass er als Scout das Sun Valley-Skigebiet „entdeckte“ und touristisch mitentwickelte. In der großangelegten biografischen Spurensuche des Künstlers Michael Huey erweist sich der Sprössling einer österreichischen Adelsfamilie als ambivalenter Lebe- und Geschäftsmann zwischen libertärem Individualismus und Begeisterung für die Nationalsozialisten.

Karikatur aus „Neues Österreich“ (Ausschnitt), 3. August 1945, ANNO/ÖNB
Spiral Bike meets Schlurfs und Schlurfinnen
Beswingt am Fahrrad
Spiral Bike nennt sich ein Kunstprojekt mit Radtouren quer durch die Stadt. Für das neue Programm hat sich das Team rund um Conny Zenk von der Jugendkultur der Schlurfs und Schlurfinnen inspirieren lassen, die sich in der NS-Zeit widerständig verhielten und deshalb verfolgt wurden.

Ausschnitt aus Karneval-Album, Eintopf-Wagen: „Eintopfgericht“, Seite aus dem Album „Erster großer Karnevalszug in Wien, 19. Feber 1939. Modellaufnahmen“, Wien Museum, Inv. Nr. 78.661/6
Der „Eintopfsonntag“ in der Stadt der verwöhnten Gaumen
„Im Rathaus gab es Linsen mit Wurst“
Im nationalsozialistischen Deutschland wurde er bereits 1933 eingeführt, nach dem „Anschluss“ Österreichs gab es ihn auch in der „Ostmark“: den „Eintopfsonntag“. Vordergründig appellierte der ideologisch überhöhte neue Brauch an die Solidarität der „Volksgemeinschaft“ mit notleidenden „Volksgenossen“, tatsächlich handelte es sich um eine vor allem wirtschaftspolitisch motivierte Zwangsmaßnahme.

Wegweiser des ersten fertiggestellten Hauptfluchtwegs zeigten in Richtung Volksgarten oder Kai. Um gegen Ausfälle des elektrischen Lichts gewappnet zu sein, verwendete man als Hintergrund Leuchtfarbe. Foto: Thomas Keplinger
Das Schutzraumnetz „Innere Stadt“
Zwangsarbeit im Untergrund
Ende August 1940 fielen erstmals britische Bomben auf Berlin. Hitler ordnete daraufhin das „Luftschutz-Führerprogramm“ an, das auch in Wien die Schaffung bombensicherer Schutzräume für die Zivilbevölkerung vorsah. Ende 1941 stoppte Göring die Arbeiten in Wien, sie wurden erst im Sommer 1943 fortgesetzt. In der Folge entstand unter den Häusern der City das Schutzraumnetz „Innere Stadt“ – unter Einsatz hunderter Zwangsarbeiter:innen.

Im Depot für die Sammlung von NS-Raubkunst, Kartause Mauerbach, 1971, Foto: Votava / brandstaetter images / picturedesk.com
Die Akte Mauerbach und NS-Raubgut in der Präsidentenvilla
„Herrenlose“ Kunst?
„A Legacy of Shame – Nazi Art Loot in Austria“: Mit dieser Coverstory lenkte das New Yorker ARTnews Magazin im Dezember 1984 die internationale Aufmerksamkeit auf Österreichs „Vermächtnis der Schande“. Erinnerung an eine journalistische Pioniertat und deren Folgen.

Julius Fargel, Kopie nach Leopold Kupelwieser: Johann Michael Vogl, Schubertliedsänger, 1949, Wien Museum, Inv.-Nr. 93.808 (Ausschnitt)
Über ein Ölgemälde von Leopold Kupelwieser
Geraubtes Original – belastete Kopie
Ein Ölgemälde von Leopold Kupelwieser wurde dem Industriellen Robert Pollak von den Nationalsozialisten geraubt und gelangte dann in die städtischen Sammlungen. Nach dem Krieg wehrte sich Museumsdirektor Karl Wagner mit allen Tricks gegen die Rückgabe. Bevor er schließlich nachgeben musste, ließ er ausgerechnet von jenem Restaurator eine Kopie anfertigen, der in die meisten Raubgut-Fälle des Museums involviert war.

Helmut Braunsteiner, um 1950, (Foto: Nachlass Helmut Braunsteiner)
Helmut Franz „Brownie“ Braunsteiner
Kennedys Deutsch-Coach
Vom abgelehnten Eleven an der Staatsoper hin zum Kriegsveteranen: Helmut Franz (Spitzname: Brownie) Braunsteiner floh 1939 aus Wien, ging 1944 zur US-Armee, arbeitete als Übersetzer bei den Kriegsverbrecherprozessen in Nürnberg, war als Soldat in Korea und Vietnam und coachte John F. Kennedy in Berlin.

Der Stempel des Arbeitskommandos A 1833 b Gw. Quelle: WStLA
Zwangsarbeit für die Stadt
Die Geschichte des Lagers K 16
Während des Zweiten Weltkriegs setzte auch die Wiener Gemeindeverwaltung Zwangsarbeiter:innen ein – überwiegend im Bauwesen, in der Landwirtschaft und ab 1944 bei den Sofortmaßnahmen nach Luftangriffen. Eines der Lager, in denen sie untergebracht waren, befand sich am Kernstockplatz (heute Familienplatz). Eine Rekonstruktion.

Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Gegendemonstranten an der Ecke Kärntner Straße / Philharmonikerstraße, 31. März 1965, Votava / brandstaetter images / picturedesk.com
Ferdinand Lacina über den Fall Borodajkewycz
„Zwischen Schwarz und Braun“
Vor 60 Jahren erschütterte ein Gewaltakt die Zweite Republik. Bei Protesten gegen den antisemitischen Hochschulprofessor Taras Borodajkewycz wurde am 31. März 1965 der Kommunist und einstige Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger von einem Rechtsradikalen derart niedergeschlagen, dass er zwei Tage später seinen Verletzungen erlag. Im Interview erinnert sich der spätere Finanzminister Ferdinand Lacina als Zeitzeuge an die Ereignisse und ihre Vorgeschichte. Ein Beitrag mit bislang unveröffentlichten Fotos aus dem Archiv der Bildagentur Votava.