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Eva-Maria Orosz, Andreas Nierhaus, Peter Stuiber, 11.11.2019

Otto Wagner-Ausstellung in Paris

Weltstadtarchitekt aus Wien

Die erfolgreiche Otto Wagner-Ausstellung wird ab dieser Woche in der Pariser Cité de l'architecture et du patrimoine gezeigt. Der österreichische Architekt wird dem französischen Publikum vor allem auch als Städteplaner und internationaler Wegbereiter der Moderne vorgestellt. Ein Interview mit den beiden Wiener Kuratoren.

Peter Stuiber:

Wie kam es zu diesem Ausstellungsprojekt an der Seine?

Andreas Nierhaus:

Nicht nur in Österreich, auch im Ausland hat man die Ausstellung „Otto Wagner“ im Wien Museum 2018 – seit Jahrzehnten die erste umfassende Schau über diesen Wiener „Weltstadtarchitekten“ – mit großem Interesse verfolgt. Otto Wagner zählt neben Gustav Klimt und Egon Schiele zu den wenigen Künstlern Österreichs, die auf der ganzen Welt bekannt sind. Die Cité de l'architecture et du patrimoine in Paris, gewissermaßen das nationale Architekturmuseum Frankreichs, hat die Gelegenheit ergriffen und unsere Ausstellung nach Paris geholt. Der erste Besuch aus Paris fand im Sommer 2018 statt und sehr schnell war klar, dass unsere Ausstellung im Jahr darauf an die Seine reisen wird.

PS

Worin unterscheidet sich die Präsentation in Paris von jener in Wien?

Eva-Maria Orosz:

In Wien haben wir versucht, das Gesamtwerk des Architekten in chronologischer Folge zu zeigen, um Wagners künstlerischen Weg vom Historismus der Ringstraße über den Jugendstil und die Secession bis hin zu den fast puristisch-modernen Bauten und Projekten der Spätzeit - und am Ende zurück zum Ornament - nachvollziehbar zu machen. Im Mittelpunkt standen dabei die äußerst qualitätsvollen Zeichnungen aus der Sammlung des Wien Museums. In Paris, wo das Publikum mit der Wiener Architektur nicht so vertraut ist, haben wir gemeinsam mit Hervé Doucet und Emilie Regnault, den französischen KuratorInnen, das Werk Wagners in den größeren Rahmen der Wiener Kunst- und Kulturszene jener Epoche gestellt.

PS

Wieviel Objekte werden in Paris gezeigt?

EMO

Die Ausstellung in Paris hat mit rund 1000 m2 dieselbe Fläche wie in Wien, jedoch ist die räumliche Situation nicht vergleichbar, sodass sich nun ganz neue Möglichkeiten der Präsentation angeboten haben. Die Zahl der ausgestellten Objekte beträgt rund 320, davon 150 Leihgaben aus der Sammlung des Wien Museums. Im Wien Museum waren rund 500 Objekte ausgestellt.

PS

Gab es Aspekte, die dem französischen Partner besonders wichtig waren?

AN

Um das Wien Otto Wagners den BesucherInnen näherzubringen, wurden aufwändige Projektionen sowie ein digitales Modell von Wagners Großstadt-Entwurf von 1911 eigens für die Ausstellung entwickelt. Diese werden auch für das neue Wien Museum am Karlsplatz zur Verfügung stehen. Unseren französischen KollegInnen war es wichtig, Otto Wagner als internationalen Wegbereiter der modernen Architektur um 1900  und als visionären Stadtplaner zu präsentieren.

PS

Es ist die erste Wagner-Personale in Frankreich. Welchen Stellenwert hat der Architekt dort generell? Welche Aspekte seines Werkes kennt man, was ist unterbeleuchtet?

EMO

Wagner ist in Frankreich primär durch seine Wiener Hauptwerke – die Kirche am Steinhof, die Postsparkasse, die Häuser an der Wienzeile – bekannt. Weniger geläufig sind seine zahlreichen unverwirklichten Architekturentwürfe, die in den meisterhaften Zeichnungen in der Sammlung des Wien Museums überliefert sind. Sie stehen zu Recht auch im Mittelpunkt der Pariser Ausstellung. Wagners Bedeutung als Stadtplaner und seinen europaweiter Einfluss auf die nächste Generation von Architekten sind Themen, mit denen das Publikum in Paris weniger vertraut ist.

PS

Welchen Stellenwert hat und welche Rolle spielt die Cité de l'architecture et du patrimoine in Paris?

AN

Die Cité de l'architecture et du patrimoine befindet sich am Trocadéro, gegenüber dem Eiffelturm. Das Gebäude wurde für die Weltausstellung 1937 errichtet. Das Museum wurde 2007 eröffnet und zeigt in seiner Dauerausstellung einen faszinierenden Überblick über die Geschichte der französischen Architektur seit dem 19. Jahrhundert, dazu kommen Sonderausstellungen aus allen Gebieten der Architektur. Im Gebäude befindet sich das Musée des Monuments français, eine umfangreiche Sammlung von historischen Gipsabgüssen bedeutender Bauten des Mittelalters und der Renaissance. Zur Cité gehören auch das umfangreiche nationale Archiv der französischen Architektur des 20. Jahrhunderts und eine Architekturbibliothek.

 

Die Ausstellung ist Teil der „Saison Viennoise“, mit der die Cité de l’architecture et du patrimoine zwei bedeutende Wiener Architektursammlungen feiert. Parallel zur Otto Wagner-Ausstellung des Wien Museums ist eine Schau mit Meisterwerken der Albertina zu sehen. Eröffnet werden beide Ausstellung von Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein. www.citedelarchitecture.fr

Eva-Maria Orosz, Kunsthistorikerin, Kuratorin für Angewandte Kunst und Möbel im Wien Museum; Forschungsschwerpunkte: Interieur, Period Rooms und Möbel 19. und 20. Jahrhundert, Museums- und Sammlungsgeschichte. Ausstellungen und Publikationen zur Kunst- und Kulturgeschichte Wiens, u. a. Schmuck der Wiener Werkstätte, Werkbundsiedlung Wien, Otto Wagner.

Andreas Nierhaus, Kunsthistoriker und Kurator für Architektur und Skulptur im Wien Museum. Forschungsschwerpunkte: Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts, Medien der Architektur. Ausstellungen und Publikationen u.a. über die Wiener Werkbundsiedlung, die Ringstraße, Otto Wagner, Richard Neutra und Johann Bernhard Fischer von Erlach.

Peter Stuiber studierte Geschichte und Germanistik, leitet die Abteilung Publikationen und Digitales Museum im Wien Museum und ist redaktionsverantwortlich für das Wien Museum Magazin.

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