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Clemens Marschall, 8.10.2026

Artistin Miss Electra

15 Minuten Hochspannung

Bei Miss Electra sprang der Funke im wahrsten Sinne des Wortes über, wenn sie ab den 70er Jahren in Varietés unter Starkstrom gesetzt wurde und zum Glühen brachte, was ihr in die Hand gegeben wurde. Gemeinsam mit ihrem Mann Teddy Horn, der die Kunststücke technisch konzipierte, brachte sie in ganz Europa das Publikum zum Staunen. „Wir haben nie Pause gemacht“, erinnert sich die Artistin im Ruhestand.

Brunhilde Bleckwenn, 1939 in Frankfurt am Main geboren, sitzt in ihrer Wohnung am Wiener Mexikoplatz: Einbauschränke, Falttüren, chice 1960er-Fasson; die Wände drapiert mit Ehrenurkunden, Fotos und Memorabilia ihrer Lebenskarriere. Bis zur Miss Electra und hierher war es ein langer Weg: Die von ihren Eltern geführte Bleckwenn-Truppe war bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine bekannte Artistenfamilie – nur konsequent also, dass die Tochter schon im Kindergartenalter erste Auftritte lieferte: „Wir sind zu fünft als Familie getourt. Kunstrad, Hochrad, Akrobatik, Tanz – ich hab auf dem Rad zusätzlich Hula Hoop gemacht, das konnte sonst niemand! Meine Schwester und ich, wir haben auch die Ballettschule gemacht, waren tänzerisch und akrobatisch gut in Form“, sagt die Artistin im Ruhestand bei Kaffee und Marmorkuchen in ihrem Wohnzimmer.

Die Nachkriegsjahre waren von Hunger und Not geprägt. Was die Bleckwenns über die Runden brachte, waren Engagements bei amerikanischen Soldaten in Berlin: „Draußen gab es nichts, aber meine Eltern sind fast jedes Wochenende in der Kaserne aufgetreten und mit zwei Taschen voller Lebensmittel heimgekommen: Die haben sie zusätzlich zur Gage bekommen. Die Soldaten waren froh über ein bisschen Abwechslung.“ In den folgenden Jahren reiste die Bleckwenn-Truppe durch Europa, „aber auch in Deutschland gab es damals in jeder Stadt ein schönes Varieté“, erinnert sich Brunhilde Bleckwenn: „Im Friedrichstadt-Palast in Berlin haben wir oft gearbeitet. Das ist einmalig! Die hatten hundert Ballettdamen, und wenn wir mit dem Rad auf die Bühne gefahren sind, haben die links und rechts von uns getanzt.“ 

Zu diesen mondän inszenierten Darbietungen gehörte es, dass ein Geschwisterchen den Handstand auf der Lenkstange machte oder der Bruder mit einem hohen Einrad fuhr, während eine Schwester auf seinen Schultern stand und lächelnd winkte.

Eine von Brunhilde Bleckwenns Spezialitäten war außerdem die Kontorsion, also ihre extrem gelenkigen Einlagen, anschaulich angekündigt als Gummi- bzw. Schlangenmensch. In einem Programmheft des Berliner Varietés Wintergarten aus den 1950ern ist über sie zu lesen: „Ihr junger, schlanker und in unermüdlicher Arbeit durchtrainierter Körper erlaubt ihr Gliederspiele und akrobatische ‚Kautschuk‘-Bewegungen, die auch Ihre Achtung und Ihren Beifall finden werden, um so mehr, als die reizende Artistin ihr Können mit Geschmack und jugendlicher Grazie darbietet.“

Neben der strengen Ausbildung zur Allround-Artistin absolvierte sie auch ihr Pflichtschulprogramm: großteils unterwegs, in den Circusschulen des Circus Krone und Rebernigg, bei denen die Familie engagiert war. „Da hatten wir einen Wagen, der war als Schule eingerichtet. Wir waren oft nur zu fünft oder zu sechst, manche ein bisschen jünger, andere älter, aber das hat der Lehrer gut ausgeglichen. Mir hat Schule immer Spaß gemacht.“ Ihr mittlerweile verstorbener Bruder Luigi Bleckwenn heiratete 1958 Mimi Rebernigg aus dem gleichnamigen Circus. „Das war wirklich feuerfeste Liebe“, so die Schwester. „Und natürlich eine große Hochzeit hier in Wien.“

Interessenten auf Tournee hatte auch die heranwachsende „Bruni“ mehr als einen pro Finger, wie im damaligen Wintergarten-Programmheft zu lesen ist. „Wie sie uns verraten hat, erhielt sie im soeben abgelaufenen Jahr nicht weniger als ein Dutzend – Heiratsanträge. Das macht im Durchschnitt monatlich einen … aber die blonde Bruni läßt ihren Bruder und ihre Schwester nicht im Stich. ‚Bis auf weiteres‘, meint sie lächelnd. Und sie fügt dazu: ‚Bis jetzt war der Richtige sowieso nicht dabei. Wenn der mal kommt, gibt’s freilich eine schwere Gewissensfrage …‘“ Karriere oder Ehe? Warum nicht beides?

Traumpaar Bruni und Teddy

Als sie 1956 mit Eltern, Schwester und Bruder in Schweden gastierte, war dort auch ein junger Gentleman namens Teddy Horn engagiert. „Der war ein echter Wiener und kam als Zauberkünstler nach Schweden. Es gab ein monatlich erscheinendes Organ, das war wie ein Telefonbuch für Artisten in ganz Europa, und daraus wurden die Künstler gebucht. Da war ein großes Foto von uns drin. Teddy hat das gesehen, auf mich gezeigt und gesagt: ‚Die wird meine Frau!‘ Alle haben gelacht.“ Doch er sollte recht behalten: Mit täglichen Briefen, Wiener Schmäh und Charme gewann er das Herz seiner „Bruni“ und auch der anderen Bleckwenns. Sie war knapp 20 Jahre alt, als sie ihn heiratete und sagt noch heute, mehr als 60 Jahre später: „Wir hatten eine sehr, sehr gute Ehe. Wir haben nie gestritten, nur diskutiert. Er hat so viel Respekt gehabt vor mir.“

Teddy Horn (1929-2005) war ein neugieriger Elektroingenieur, kam aus keiner Zirkusfamilie, aber tüftelte unaufhörlich an neuen Geräten herum, mit denen er und seine Frau – ab nun unterwegs unter dem Künstlerinnennamen Liane Horn – in den Varietés reüssieren sollten. 1960 fanden die beiden eine großzügige Altbauwohnung in der Zirkusgasse und zogen nach Wien. „Wir wollten unbedingt in den 2. Bezirk, wegen all der Unterhaltungskunst. Im Cabaret Renz war zwar viel Striptease, aber immer auch ein, zwei bekannte internationale Artisten.“

Auch wenn „Liane Horn“ bereits ein Bühnenpseudonym war, so wechselten diese von Rolle zu Rolle: Am bekanntesten wurde sie als „Miss Electra“, lieferte aber – in ausgesuchten bzw. knappen Kostümen, die sie oft selbst skizzierte und von einem Schneider im 1. Bezirk ausarbeiten ließ – auch Auftritte als „Cigarettesgirl“, „Lady Jane“ oder schlicht: „Sexy-Girl“. „Der Name ‚Sexy-Girl‘ kam eigentlich vom Publikum, die haben immer geschrien: ‚Ahhhhh, das sexy Girl, das sexy Girl!‘ Und so haben mein Mann und ich gesagt: ‚Na gut, das passt.‘“

Miss Electra sorgte ab 1970 für Staunen auf dem Kontinent. „Wir waren 20 Jahre mit Miss Electra unterwegs. Die Show haben wir nie erweitert, die war so perfekt, da konnte man nichts mehr erweitern“, so die Titelfigur selbst: „Vor der Nummer hab ich noch drei Minuten toll und wild getanzt, eine akrobatische Einlage hingelegt. Ich kann die Beine ja nach wie vor hochschmeißen“, sagt die ausgebildete Balletttänzerin.

Was steckt also hinter Miss Electra, dem Herzstück ihrer Karriere? Bei diesem Trick wurde sie durch einen speziell von Teddy Horn gebauten, mit elektrischen Spulen betriebenen Hochspannungskasten mit Strom aufgeladen und konnte live auf der Bühne mit nichts als ihren Fingern Glühbirnen zum Leuchten bringen oder Fackeln entzünden. Wie das funktionieren könnte, darüber rätselten nicht nur einzelne Zuschauer. „Wir haben in Deutschland öfter in Marburg, einer Studentenstadt, gearbeitet. Ich hab als Miss Electra immer nur einen Bikini angehabt, damit klar ist, dass ich nichts versteckt habe. Die Studenten kamen jeden Tag, setzten sich in die erste Reihe und wollten mich entlarven. Dann waren auch ihre Professoren und sogar der Uni-Direktor da: ‚Sagen Sie, stimmt das, ist das wirklich echt?‘“ Zeremonien- und Strommeister Teddy Horn bejahte und meinte, sie könnten gern eigene Gegenstände zur Probe aufs Exempel mitnehmen. Vor vollem Haus. „Die Studenten gaben mir ihre mitgebrachten Glühbirnen und Leuchtröhren, ich hab sie von zwei Seiten gehalten, die Studenten von unten, und sie haben geleuchtet. Die Studenten haben nichts gespürt von dem Strom, aber mein Mann hat immer gewarnt: ‚Ruhig stehenbleiben, bitte! Sonst kann etwas passieren.‘“

Die Studenten gaben ihr auch Bügeleisen, Mixer und Ventilatoren, „und ich brachte sie zum Laufen“, so Liane Horn: „Nur wenn einer mich direkt angefasst hat, hat er einen ganz schönen Funken abbekommen. Einer hat aus Neugier mich angegriffen – das war nicht ausgemacht. Ich hab einen Schlag gekriegt, und er auch. Ich war unter Strom von oben bis unten. Ich hab es nicht gespürt, aber es war wirklich wahr.“

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Betrachtet man die Zaubergeschichte, so steckt hinter vielen Tricks oft ein primitiver Mechanismus, der sich über Jahrzehnte oder Jahrhunderte kaum geändert hat. Einmal enttarnt, ist der Spuk entzaubert. „Aber bei uns war alles ganz echt“, versichert Liane Horn noch heute: „Ich hab verstanden, was mein Mann gemacht hat, weil ich es ja jede Nacht miterlebt hab. Trotzdem – Gänsehaut hab ich jedes Mal gehabt, ob alles gut geht, weil es ja wirklich gefährlich ist. Das hat mit Magie überhaupt nichts zu tun – das war eine sehr gefährliche Elektronummer.“

Tausende Male führten sie diesen Trick durch, aber ernsthaft passiert ist nie etwas – nur fast, weiß die Protagonistin zu berichten: „Einmal haben wir in der Schweiz gearbeitet, da war ein Glasboden und in der Mitte Eisen. Ich hab Stiefel angehabt, bin auf das Eisen getreten, hab einen Schlag bekommen und bin umgefallen. Das ging durch die Gummisohlen durch! Die Gummisohlen waren mein Glück, sonst wär ich tot gewesen. Am nächsten Tag haben sie Teppichboden hingelegt. Ich war ja wirklich unter Strom.“ Wie viel Strom? „Sehr viel Strom“, so Liane Horns knappe Antwort. Die Neue Zürcher Zeitung berichtete damals von 100.000 Volt. Ein Schild, das vor „Hochspannung“ und „Vorsicht! Lebensgefahr!“ warnt, wurde jedenfalls auf dem ominösen Gerät montiert. Ob sie Spätfolgen ihrer jahrzehntelangen Karriere als starkstromleitende Artistin habe? „Nein“, sagt Miss Electra, „sonst hätte mein Mann das nicht mit mir gemacht.“

Ausgetüftelte Bluffs 

Sämtliche Nummern, mit denen das Duo auftrat, waren von Teddy Horn selbstkonstruiert, oft in jahrelanger Akribie. „Etwa auch der Affe, der auf einem Hocker sitzt: Der hat immer applaudiert, wenn ich einen Trick gemacht hab.“ Und nebenbei geraucht – selbst, wenn ihm der Kopf abgenommen wurde. „Mein Mann war ein Genie, der hat so viele Ideen gehabt, der war immer in Gedanken bei der Arbeit. Ich hab schon bei Miss Electra gesagt: ‚Jetzt hör doch einmal auf zu grübeln, ruh dich aus!‘ Aber es hat ihn so gereizt, er konnte nicht aufhören.“ Miss Electra bezeichnet sie als „seine Krönung“.

Eine Darbietung dauerte 15 Minuten, sie tourten mit zwei verschiedenen Acts durch die Lande: Miss Electra war ein Muss, und dazu meist das „Cigarettesgirl“ mit der „Original-Bluff-Show“. „Die beiden Shows waren grundverschieden, aber beide exquisit“, sagt das damalige „Cigarettesgirl“, das mit einem Zigarettenbauchladen in Stöckelschuhen im weißen Mini durchs Publikum schritt, dann auf die Bühne. „Mein Mann nahm schwarze Jetons, schmiss sie in die Luft, an mein weißes Minikleid, und alle Punkte waren sofort auf dem Stoff, als wären sie schon immer dort gewesen. Dann ging ich weiter, er nahm eine Pistole raus und schrie: ‚Stopp! Sie bleiben hier!‘ Dann schoss er – paff! – und ich stand im Bikini da.“

Liane Horn sammelt Zeitungsschnipsel, die ihre Karriere begleiten. In einem Artikel unter dem Titel „Nürnberg amüsiert sich“ vom Jänner 1963 wird geschwärmt von Teddy Horn und „Sexy-Girl“: „Endlich einmal gaben Vorführungen dieser Art wieder Rätsel auf: nicht die üblichen bunten Taschentücher, die aus dem Ärmel gezogen werden, nicht die üblichen Spielkarten-Tricks, nicht der übliche Zylinder, aus dem Blumen, Fische oder weiße Kaninchen wachsen. Wenn Teddy zaubert, stockt der Atem, wenn Teddy schießt, verschwinden sogar leichte Dessous.“

Neben den Tourneen erwies sich auch Wien als dankbares Pflaster für das Artistenduo: „Wir sind aufgetreten in den Sofiensälen, im Theater in der Josefstadt, in der Volksoper, im Konzerthaus, im Theater an der Wien, aber auch im Maxim, im Casanova und im Moulin Rouge – das waren schöne Cabarets.“ Das Moulin Rouge gehörte damals – so wie u.a. auch die Eden Bar, das Hotel Orient, ein Heuriger im Kahlenbergerdorf und einige dem Rotlichtgeschäft zugehörige Lokale wie das Café Walfisch, die Schloss-Bar und das Dolce Vita – Heinz Werner Schimanko. Er war über die Stadt hinaus bekannt als Nachtclubkönig, Boxer und Rolls-Royce-Fahrer. „Bei uns gab es nie Berührungspunkte mit dem Rotlicht“, versichert Liane Horn: „Varietés haben keinen anrüchigen Ruf, da geht es um Unterhaltung. Es gibt ja auch Stripteasenummern, die so gut sind, dass sie einen tänzerisch-ästhetischen Wert haben, etwa, wenn die Damen durch die Ballettschule gegangen sind und sich elegant ausziehen.“ Und Schimanko selbst? „Zu uns war er wahnsinnig nett, aber er konnte wahrscheinlich auch anders. Schimanko hat immer gesagt: ‚Wenn ihr frei seid – Anruf genügt! Ihr könnt jederzeit bei mir arbeiten.‘“

Das Geschäft ging für Liane Horn stets gut: Weder in jener Periode, als sie mit ihrer Familie aufgetreten war, noch später mit Teddy Horn erinnert sie sich an Durchhänger. „Wir haben immer sofort Re-Verträge bekommen“, sagt sie: also vertragliche Vereinbarungen für ein erneutes Engagement in der Folgesaison. „Bei anderen Artisten hab ich gesehen, dass sie zwei, drei gute Verträge haben – und dann wieder monatelang nichts. Das gab’s bei uns nicht. Wir waren nie auf Arbeitssuche – die Arbeit ist zu uns gekommen. Wir haben nie Pause gehabt.“ Und wollten sie im Dezember die Weihnachtsfeiertage in Wien in aller Ruhe verbringen, so wusste hier das Konzerthaus oder das Ronacher schon Bescheid und ersuchte um ein Sonderengagement.

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„Wir waren international im Fernsehen, in Zeitungen, viel in Skandinavien, fünf Jahre in der Schweiz, bei Weltkongressen, wurden von Millionären wie Onassis für Privatveranstaltungen eingeladen. Wir haben in den besten Häusern gespielt: in Genf im Bataclan – Cabaret le plus sexy. In Paris im Crazy Horse, im Olympia Varieté und im Lido Revuetheater mit Edith Piaf: Da saß sie schon im Rollstuhl, hat aber noch gesungen – einmalig, diese Frau!“, sagt Liane Horn und klatscht die Hände zusammen. „Italien, Spanien, Marokko, überall waren wir. Agenten haben uns direkt angerufen: ‚Ich hab Sie im Fernsehen gesehen und möchte Sie hier und da buchen.‘ Weil wir Nummern gemacht haben, die sonst niemand hatte.“

Nach einer Vorstellung in Deutschland ging David Copperfield backstage und fragte ihren Mann, ob er gewisse Tricks für ihn bauen würde, erinnert sich Liane Horn, aber Teddy Horn schlug das Angebot aus. Er wollte seine Geheimnisse für sich behalten. Und für seine Frau.

Erst, als Teddy Horn aus gesundheitlichen Gründen von der Showbühne ferngehalten wurde, hielt die Karriere inne. Dann kam die Späternte: Auszeichnungen wie den Ludwig-Döbler-Award für Illusionskunst 2005 oder das Silberne Verdienstzeichen des Landes Wien 2010 musste Liane Horn allerdings schon allein entgegennehmen: „Nach dem Tod meines Mannes 2005 bin ich nicht mehr aufgetreten“, sagt sie: „Viele wollten es, aber ich war noch so geschockt.“ Sie fing an, als freiwillige Kraft im Wiener Circus- und Clownmuseum mitzuarbeiten und sich um das Publikum zu kümmern. „Das war sehr wichtig für mich, weil ich da noch mit dem künstlerischen Umfeld beschäftigt war, aber nicht mehr auf der Bühne. Wäre ich nur zuhause gesessen, wäre das nicht gut gewesen.“

Am Ende der ausgedehnten Nachmittagsjause bleibt neben der Frage, wie die ausgefuchste Miss-Electra-Apparatur nun wirklich funktioniert hätte, nur noch jene, wo sich dieses Gerät denn heute befindet? „Das hat mein Mann versteckt, irgendwo, ich weiß es nicht“, so Liane Horn geheimnisvoll, und fügt nach einer Pause hinzu: „Vielleicht kommt’s nochmal raus.“ Ein klitzekleiner Anhaltspunkt? Wieder eine Pause. „Ach, das muss ich mir nochmal überlegen“, meint sie und lacht. Nicht alles zu verraten gehört zum Berufsethos der Artistengilde. Sonst verpufft der Zauber. Besonders, wenn alles zu 100% echt und ohne Tricks funktioniert hat.

 

Dank an: Circus- & Clownmuseum Wien

Clemens Marschall ist promovierter Musikwissenschaftler und arbeitet als freier Journalist und Autor. 2007 gründete er das Printmagazin Rokko’s Adventures, das 2018 im ORF als Fernsehmagazin ausgestrahlt wurde. Jüngste Veröffentlichungen: „Wilde Wanda. Wiens einzige Zuhälterin: ein Leben zwischen Emanzipation, Exzess und Zerstörung” (Brandstätter Verlag), „Schmutzer-Blatt“. www.rokkosadventures.at

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