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Peter Stuiber, 24.9.2026

Friedrich Glauser-Nando von Arb-Ausstellung in der Zürcher Galerie Litar

„Hat der Bub wieder Angst?“

Mit der Wiener Kindheit des Schriftstellers Friedrich Glauser beschäftigte sich vor zwei Jahren ein Symposium im Wien Museum. Kooperationspartnerin war die Zürcher Stiftung Litar, die nun in einer Ausstellung das Thema Kindheitsängste ins Zentrum rückt – im Dialog mit dem Künstler Nando von Arb. Dazu gibt´s eine kompakte Publikation mit der Essenz der beiden Projekte.

Friedrich Glauser, „Vater des deutschsprachigen Kriminalromans“ und einer der wichtigsten Schweizer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, wurde 1896 in Wien geboren und verbrachte hier seine ersten 13 Jahre. Der frühe Tod der Mutter im Jahr 1900, sein strenger Vater, schlechte schulische Leistungen, Vereinsamung und allgegenwärtige Ängste: Die traumatischen Erfahrungen der frühen Jahre prägten Glauser bis zu seinem frühen Tod 1938. In autobiografischen Erzählungen hat er sich damit immer wieder auseinandergesetzt. 

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Die Ausstellung, die nun in der Zürcher Galerie Litar zu sehen ist und von deren Leiterin Christa Baumberger, der führenden Glauser-Expertin, kuratiert wurde, nähert sich dem Thema nicht literaturhistorisch, sondern künstlerisch. Baumberger lud den Zürcher Comiczeichner und Illustrator Nando von Arb ein, sich mit Glausers Kindheitserfahrungen auseinanderzusetzen. Denn Nando von Arb ist sozusagen ein Spezialist für das Thema Angst. Sein mehrfach ausgezeichnetes Buch „Fürchten lernen“ bietet eine bildreiche, rasante und durchaus humorvolle Konfrontation mit dunklen Kindheitserfahrungen, von Verlust- bis zu Todesängsten. 

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Nando von Arb ließ sich von Glausers Texten zu neuen Zeichnungen inspirieren, die gemeinsam mit ausgewählten Bildern aus „Fürchten lernen“ den Kern der Ausstellung bilden. Ergänzt werden diese pandämonischen Einblicke in dunkle Seelengebiete von einer Audio/Videoinstallation, die Glausers Wohnorte in Wien sowie zentrale Aspekte seines Werkes zeigt und kommentiert. Der Wiener Schauspieler Felix Künzli hat zudem Auszüge aus Glausers Erzählung „Damals in Wien“ eingelesen, die Nando von Arbs Bilderwelten akustisch rahmen. 

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„Ich habe versucht, in die Rolle des Kindes Friedrich Glauser zu schlüpfen“, so Nando von Arb. „Beim Lesen identifiziert man sich ja mit ihm. Glauser schreibt aus der Perspektive des machtlosen Kindes; es hat keine Wahl, sondern es muss alles über sich ergehen lassen.“ Welche Szenen aus „Damals in Wien“ ihn besonders fasziniert haben, erzählt Nando von Arb in einem Gespräch mit Christa Baumberger, das in dem kleinen Begleitband zur Ausstellung erschienen ist. „Ich habe nicht den Anspruch, dass es realistisch sein muss, Zeichnungen sollen Gefühle darstellen und nicht die äußere Wahrheit.“ 

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Die Publikation vertieft nicht nur die Ausstellung, sondern bildet eine Brücke zum Symposium in Wien, bei dem es neben biografischen und literaturhistorischen Bezügen auch um Themen wie Psychoanalyse, Geschichte der Pädagogik und das Frauenbild bei Glauser ging. Kurzversionen der Beiträge sind hier abgedruckt, die jeweiligen Langversionen sind mittels QR-Coder verfügbar. Der Titel „Schillernde Blasen“ bezieht sich auf ein Glauser-Zitat: „Es gibt Erinnerungen, die sind wie schillernde Blasen; nach vielen Jahren, da man schon meinte, sie seien nicht mehr vorhanden, steigen sie plötzlich auf in einer Stunde der Nacht, wachsen, wachsen, wollen nicht zerplatzen und wieder im Nichts verschwinden, sondern blenden die geschlossenen Augen.“

Hinweis

Die Ausstellung „Schillernde Blasen. Friedrich Glauser – Nando von Arb“ (Kuratorin: Christa Baumerberger, kuratorische Assistenz: Nicole Schmid) ist noch bis 5. Dezember 2026 in der Zürcher Galerie Litar zu sehen. Die Publikation zur Ausstellung (Hg. Christa Baumberger/Peter Stuiber) ist in der Edition Litar erschienen und enthält neben dem Gespräch mit Nando von Arb und dessen Werken Essays zu Glauser von Christa Baumberger, Patrick Bühler, Linn Ritsch, Peter Stuiber und Karl Wagner. Das Büchlein wurde von Rahel Arnold gestaltet, ist um 10 Euro im Shop des Wien Museums am Karlsplatz erhältlich und wird am 8. Oktober um 19 Uhr in der Buchhandlung Analog in Wien präsentiert. Die autobiografischen Erzählungen von Friedrich Glauser sind in dem Band „Der Kleine“ im Limmat Verlag zusammengefasst. Das Buch „Fürchten lernen“ von Nando von Arb ist bei Edition Moderne erschienen. Einen kurzen Überblick über Glausers Kindheit in Wien findet man in folgendem Magazin-Beitrag.

Peter Stuiber studierte Geschichte und Germanistik, leitet die Abteilung Publikationen und Digitales Museum im Wien Museum und ist redaktionsverantwortlich für das Wien Museum Magazin.

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